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Verlierer sprechen denglisch

Sind Sie auch schon mit einem "groovenden Welcome" in einer der größten "Music Communities im Netz" begrüßt worden, wo Sie "up- und downgeloadet" haben? Hoffen Sie auf eine "Zusammenführung der Online Communications, Mobile Communications und Streaming Services in gesamtheitliche Lösungen"? Haben Sie Interesse an einer "dynamischen Off-Board Navigation oder einer Road Assistance"? Oder haben Sie nur Bahnhof verstanden?

Offenbar haben viele Anleger nur Bahnhof verstanden. All diese sprachlichen Entgleisungen stammen von ehemaligen Neue-Markt- Unternehmen, die allesamt insolvent sind oder "delisted", wie der angelsachsophile "New-Economy"-Mensch sagen würde. "Das muß nicht unbedingt ein Zufall sein", sagt Walter Krämer, Professor für Statistik an der Universität Dortmund und Gründer des Vereins Deutsche Sprache. Er hat eine Liste mit den Verlierern des Neuen Marktes aufgestellt, und sein Befund spricht gegen "BSE", bad, simple English, wie er sagt: Digital Advertising, Blue C Consulting, Feedback, Tomorrow Internet, ebookers - die Mehrzahl der auf der Verliererliste notierten Unternehmen hat einen "denglischen" Namen. "Diese überflüssigen Anglizismen haben viele Anleger mittlerweile verprellt - man weiß doch überhaupt nicht, wo man da sein Geld anlegt", sagt Krämer. Die Masche mit der "Imponiersprache" habe nur zu Beginn des Booms funktioniert: "Da standen denglische Namen als Synonym für die boomende Internetwirtschaft - jetzt steht sie eher für Zweitklassigkeit und Inkompetenz."

Doch nicht nur "denglische" Unternehmensnamen oder Pressemitteilungen, auch Englisch als Konzernsprache kann Krämer zufolge fatale Folgen haben: Die Kurse von Daimler-Chrysler, SAP oder der Deutschen Telekom seien, seitdem auf der Führungsebene Englisch als Konzernsprache eingeführt worden sei, hinter dem Markt zurückgeblieben. Als Gegenbeispiele führt Krämer VW in Schanghai und Porsche an. Dort wird deutsch gesprochen. Die Begründung der Sprachpuristen: Ein Ingenieur kann sich in einer fremden Sprache nicht präzise und kreativ ausdrücken. Das bietet üppig Raum für Missverständnisse.

Diese Beobachtungen reichen Krämer, um sich des Themas wissenschaftlich zu nähern: Derzeit untersucht er, welchen Einfluss die Wahl der Konzernsprache auf den Unternehmenserfolg hat. Leider zu spät für die Anleger, die ihr cash in die stocks von United Visions Entertainment, Kabel New Media, Lobster Network Storage oder Management Data Media Systems investiert haben, um mit einer ordentlichen performance in der hype ein wenig zu traden und einzucashen. Für sie bleibt die Erfahrung, die schon Friedrich Schiller gemacht hat: Stets ist die Sprache kecker als die Tat.

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